Erntedankfest um 11 Uhr auf dem Hof Grube in Lüdinghausen

Was haben ein Münsterländer Hof und Dr. Martin Luther gemeinsam? Beide vereint das Jahr 1517. Als Luther seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche anbringt, werden die Eichen für den Bau eines Hofes in der Bauernschaft Tetekum gefällt. Der Originalbalken des ursprünglichen Hauses datiert aus dem Jahre 1517 und zeigt damit an, dass es sich hier um einen der ältesten Höfe Deutschlands handelt. Einige verarbeitete Bohlen werden sogar auf das Jahr 1362 oder um 1427 datiert. Einige Spuren weisen bis ins Jahr 1000 zurück.
Heute ist der Hof ein Zeitzeugnis in der Münsterländer Parklandschaft. Der älteste bekannte Vierständerbau wurde sogar als „Bauernhaus von europäischer Bedeutung“ eingestuft. Gehegt und gepflegt vom Ehepaar Johannes und Karin Busch. Dabei sah es schon so aus, dass der Abrissbagger anrücken sollte. Zwei Jahre Auseinandersetzungen mit den Behörden hatte es gedauert, bis das Ehepaar Busch endlich mit den Sanierungsarbeiten beginnen konnte. Der Hof gehörte davor der Schifffahrtsbehörde und sollte der Erweiterung des Kanals zum Opfer fallen. Durch Zufall entdeckten 2003 Johannes Busch und Dr. Dietrich Maschmeyer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Bauernhaus, das verfallene Gebäude.
Den langwierigen Aufräum- und Abbrucharbeiten folgten die Sanierungsarbeiten Die Restaurierungsarbeiten wurden von bauhistorischen und archäologischen Untersuchungen begleitet. Als ein Teil der Gräfte wiederhergestellt wurde, traten mittelalterliche Fundstücke ans Licht, die die Bedeutung des Hofes belegten. Immerhin haben in der langen Zeit rund 25 Generationen hier gelebt. Frechener Steinzeug, Gebrauchsporzellan aus dem 19. Jahrhundert oder eine verrostete Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg gehörten zu den Fundsachen. Unter dem Haupthaus fand man sogar ein Pferdegrab aus dem 13. Jahrhundert. Sicher ist, dass Menschen im 13. Jahrhundert bereits hier gelebt haben. Haupthaus und Speicher stellen heute eindrucksvoll die Fachwerkkonstruktionen von 1517 bis 1789 dar. Vor 5 Jahren wurde ein Brunnen freigelegt, der den Menschen auf dem Hof Grube vor 500 Jahren Wasser gab. Vor 220 Jahren wurde er stillgelegt. Seit 2008 wird am Hofe saniert. In 2015 wurde der alte Speicher aus dem Jahr 1827 aufwendig instandgesetzt. Die Kosten trägt der Hauseigentümer meist selbst. Finanzspritzen gibt es von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eine Bewerbung für die Regionale 2016 scheiterte. Seit dem letzten Jahr wohnt das Ehepaar Grube nun in einem Teil des Hauses. Unzählige Stunden haben sie mit der Sanierung und Renovierung verbracht und den Erhalt des Hofes zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. „Kirchen, Burgen, Klöster und Villen aus dem Mittelalter haben unzählige überlebt, Bauernhöfe leider nicht“, begründet Busch seine Motivation für den Erhalt. Er nennt das Haus auch „ein dreidimensionales Archiv“, das die Geschichte Dutzender Generation erzähle.
Die evangelischen Gemeinden im Südkreis, das sind Senden, Ascheberg-Drensteinfurt, Lüdinghausen und Olfen, feiern das Erntedankfest als Regionalgottesdienst am 1. Oktober 2017 um 11 Uhr auf dem Hof Grube. Alle Gemeinden laden hierzu herzlich ein und freuen sich auf viele Besucher an diesem historischen Ort. Antje Pflips